Biographie

 

Egon Moroder wurde am 15. Juli 1949 geboren. Er ist Grödner (aus St. Ulrich) und lebt mit Frau Edith und Tochter Medea in seinem Tal. Früh und um in der Moroder-Menge nicht unterzugehen, legt Egon sich den Hofnamen seiner Großmutter, "Rusina", als Künstlernamen zu und wird als Egon M. Rusina bekannt. Das Kind mit Hang zu Märchen und fantastischen Naturerscheinungen erlernt das Schnitzhandwerk und besucht die Kunstschule. Als Student der Akademie in Florenz politisiert sich der junge Grödner und liefert "der Bewegung" )ahrelang die Illustrationen für Flugblätter, Kampfschriften und Wandbilder. Zu Beginn der 70er Jahre verlagert er sein künstlerisches und politisches Engagement (das für Egon M. Rusina lange Zeit ein und dasselbe ist) in die Heimat, und verläßt diese, von einem einjährigen Intermezzo in München abgesehen, nicht mehr. Er beginnt seine Ausstellungstätigkeit im Rahmen des St. Ulricher Kreises für Kunst und Kultur ("Circolo"), beteiligt sich an einer Menge Kollektivausstellungen (bei denen seine Werke regelmäßig zu Eklats und vereinzelt zu gerichtlichen Beschlagnahmungen führten) und hat mittlerweile mehrere persönliche Ausstellungen mit großem Erfolg hinter sich. Eher nebenbei und "aus moralischen Gründen" bleibt Rusina der politischen Karikatur treu. Seine "gezeichneten Geschichten", von denen in diesem Band eine Auswahl abgedruckt ist, erschienen in den vergangenen fünf Jahren teils als Titelbilder der FF, zu einem Großteil als Cartoons im "südtirol-profil" und als "Rusinen" im ehemaligen Extra der Tageszeitung 1,11 mattino. Zusammen mit der Wochenzeitung FF gestaltete Egon M. Rusina im Frühjahr 97 die "Südtiroler Wattkarten", die zu einem Publikumserfolg ersten Ranges wurden.

 

Vorwort von Inga Hosp

 

Er soll in einer Tonne gelebt und im hellen Tageslicht auf dem Marktplatz mit der Laterne nach "Menschen" gesucht haben: Diogenes der Cyniker (gestorben 323 v.Chr.) mit dem Beinamen "der Hund".

Er lebt monatelang einsiedlerisch im Zelt, ganz drinnen in einem einsamen Tal, er sucht mit Feder und Pinsel nach "Menschen", und die Ergebnisse seiner Recherchen nennen viele eine "Viecherei": Rusina (geboren 1949 n. Chr.), ein Zyniker?

Diogenes, dem bekanntesten Vertreter der cynischen Ideologie, die seinerzeit in der griechischen Alternativszene" (W. Röd) groß in Mode war, scheint Rusina in vielem ähnlich. Er ist es in seiner äußeren Bedürfnislosigkeit, in seiner radikalen Zuneigung zur Natur und seiner radikalen Abneigung gegenüber jenen schwankenden Ordnungen, die sich die Menschen selbst gebastelt haben und die deshalb auch - wie karikierende Cyniker es wohl sehen müssen - so grauslig schlecht funktionieren.

Da mir Rusina in seiner komplexen Mischung aus Askese und Naivität am ehesten ein Cyniker zu sein scheint (was eben nicht notwendig dasselbe ist wie ein Zyniker), triff-t er natürlich fortwährend auf Steine des Anstoßes: Im Cuecnestal malt er als introvertierter Sisyphos der"reinen- Malerei reale Steine, im Atelier zeichnet er, besessener Moralist, der er ist, was ihm in Politik und Weltgeschehen anstößig erscheint, zeichnet extrovertiert bis zur Grellheit, bis zum Pornographieverdacht, bis zur Strafandrohung.

Muß er denn das? Ginge es denn nicht ein wenig milder? fragen diejenigen, die unter seiner Feder seufzen oder wüten. Muß er denn das? Ginge es denn nicht mit ein bißchen weniger Askese? fragen diejenigen, die sich um den Einsiedel Rusina Sorgen machen.

Ein bißchen Rusina - ich denke, das geht nicht. Grenzerfahrungen verdankt Rusina seine SteinBilder, als Grenzerfahrungen eines kompromißlosen Naiven sind seine Karikaturen zu werten, zu erdulden. Und nach einer Definition von Paul Verlaine ist einer dann naiv, wenn er sich darüber wundert, das zu sehen, was alle Welt sieht, ohne sich zu wundern.

Rusinas stupende technische Fähigkeiten sind zu den Kompositionen die Etüden. Die "Häßlichkeit und "Geschmacklosigkeit" seiner Bildideen stammt aber im Grunde aus der hemmungslosen Verschönerung des Sujets - bis selbiges endlich zum Kippen kommt. Und soviel "schrill" seien Rusinas Bilder (klagen seine Kritiker). Ja freilich: schrill und gellend wie die "news" auf die sie anspielen.

 

Vorwort von Florian Kronbichler

 

Es war ein glücklicher Zufall- Die Entscheidung, dieses Egon-RusinaBuch zu machen, fiel an dem Tag, als Dario Fo den Nobelpreis für Literatur zugesprochen bekam. Ein schöner Tag für den unernsten Teil der Menschheit. Die Biedermänner aller Länder waren entsetzt und fürchteten um den Fortbestand der Kultur.

Egon M. Rusina kann man nur Gleiches wünschen. Nicht den Nobelpreis. Den nicht. Aber daß seine Zeichnungen nicht aufhören, öffentliches Ärgernis zu erregen. Und daß sie nie dem entsprechen werden, was landläufig als das Prinzip für Karikatur, Satire und Kunst insgesamt hingestellt wird. "Scharf, aber nie verletzend", lautet es. Ein schlimmes, ein dummes Prinzip. Eine Karikatur, mit der der Karikierte einverstanden ist, ist keine, und was nicht Anstoß erregt, gibt auch nicht Anstoß. "Scharf, aber nicht verletzend" ist, bezogen auf einen Karikaturisten, Unterlassung von Berufspflicht.

Es ließ sich nicht zu vermeiden, daß Egon M. Rusina inzwischen auch gefällt. Zeitgenossen rechnen es sich zur Ehre an, daß sie "getroffen" wurden, anstatt daß sie beleidigt wären und Beruf wechseln würden. Manche sollen Karikaturen von sich selbst im eigenen Wohnzimmer hängen haben, was höchst bedenklich ist. "Ich bin entsetzt!", kommentierte Spielmann Darlo Fo die Nachricht von seiner Ehrung. Denn plötzlich war ihm bewußt, was auf dem Spiel stand: Er war zum Klassiker geworden. Und er konnte nur froh sein, daß es den Papst und die Dolomiten gibt, die sich noch darüber aufregen. Sonst hätte man glauben müssen, auch er, Dario Fo, habe schon die Wirkungslosigkeit des Klassikers erreicht.

Das Risiko, um auf Rusina zurückzukommen, besteht. Die Karikaturen, die in diesem Band enthalten sind, haben ihren Dienst schon alle hinter sich. Auf ihre Weise hat jede einmal zugeschlagen. Hier müssen sie das nicht mehr. Ausgewählt und abseits von der Aktualität, der sie gewidmet waren, dürfen sie auch gefallen. Zum Buch gebunden, befindet sich die Karikatur auf keinem Kampffeld mehr. Es ist gewissermaßen ihr Leben danach. Gewidmet der ewigen Anschauung.

Markus Vallazza

"Nach meinem Besuch bei Egon M. Rusina auf dem Heimweg dachte ich darüber nach, daß man in St. Ulrich fast notgedrungen zur Karikatur greifen muß, um nicht selbst zur Karikatur zu werden."

 

 

Impressum

Viecherei

Alle Rechte vorbehalten Dezember 1997.

Copyright C by Egon M. Rusina.

Herausgegeben und hergestellt von:

FF - DIE SUDTIROLER WOCHENZEITUNG, Bozen, Raingasse 3.

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